Frühlingsboten auf dem Balkon


Hexenbalkon, Hexengarten, Hortus Sursum / Sonntag, März 22nd, 2020

Damit es surren und summen kann möchte ich auf dem Hortus Sursum ein Blühangebot schaffen, dass möglichst während der ganzen Flugzeit den Insekten zur Verfügung steht. Das heißt: Auch die ersten Gehörnten Mauerbienen Ende Februar möchten gern schon etwas zu Futtern finden. Und so blüht es nun schon seit einem Monat auf dem Balkon fröhlich vor sich hin: Krokusse, Traubenhyazinthen, Winterlinge… Einige der Zwiebelpflanzen durften bereits ihren Winterschlaf auf meinem Balkon zubringen.

Frühe Frühblüher-Planung

In den letzten Jahren habe ich es immer vergessen. Möchte man selbst Zwiebeln setzen sollte man dies bereits im Herbst tun. Zu Weihnachten spätestens fiel mir dann immer ein: Ach Atessa, du hast da schon wieder was vergessen… Also setzte ich vor etwa einem Jahr eine Erinnerung in meinen Kalender für Anfang September:

Blumenzwiebeln bestellen!

Erdhaufen im Wohnzimmer

Als die Zwiebeln bei mir im Spätherbst ankamen verwandelte ich das Wohnzimmer in einen riesigen Erdhaufen. Zusammen mit der netten Unternachbarin wurden einzelne kleine Blumentöpfchen mit Erde befüllt. Dort hinein steckten wir verschiedene kleine Zwiebelchen. Die Zwiebeln hatte ich bei Bienenretter.com bestellt. Die Mischung “Frühlingsboten” beinhaltet neben Krokussen auch Stern- und Traubenhyazinthen, Kegelblumen und Blausternchen. Außerdem ist eine ganze Ladung Wildkrokusse mit in die Erde gewandert. Die Zwiebeln haben wir behutsam mit Erde bedeckt. Den Winter verbrachten die Töpfe auf unseren Balkonen, leicht eingegraben in die Balkonkästen und Pflanzsäcke. In der Gemüsekistenpyramide habe ich auch einige versteckt.

Die kleinen schwarzen Töpfchen kann ich wieder ganz einfach aus den größeren Gefäßen herauszunehmen, sobald alle Pflanzen verblüht sind. Nach dem Verwelken der Blätter topfe ich die Zwiebeln aus und kann sie bis zum nächsten Herbst prima trocken, kühl und dunkel lagern. Einen informativen Beitrag zu Blumenzwiebeln könnt ihr von Katharina Heuberger auf dem Wilden Meter lesen.

Erinnert ihr euch an meinen Buddelschutz mit Ästen? Der schützt nun auch die Krokusse vor den Vögeln, die sich auch gerne mal mitten in den Blüten niederlassen. Im Herbst habe ich die Äste wieder auf die Pflanzsäcke gelegt und die Krokusse sind nun einfach drum herum gewachsen. Das hat prima geklappt.

Auf Gelb folgt Violett folgt Blau…

Die gelben Wildkrokusse (Crocus Chrysanthus) blühten zuerst. An ihre Stelle traten die violetten Crocus Tommasinianus violett. Vielleicht liegt es am regnerisch-stürmischen Wetter, aber die gelben Krokusse blühten nur sehr kurz und waren schnell wieder verschwunden. Nun welken auch schon wieder so langsam die violetten Krokusse – dafür bekommen nun die Traubenhyazinthen ihren großen Auftritt.

Das Körbchen wächst nun schon das dritte Jahr in dieser Konstellation: Traubenhyazinthe und Oregano. Scheinbar eine glückliche Kombination.

Da wo die Petra hockt und ihren Apfel genüsslich verspeist darf demnächst bitte auch noch etwas wachsen. Dort gab es auch einen Topf mit Zwiebeln, doch die Amseln haben fleißig gebuddelt und die schon treibenden Zwiebeln etwas zerfleddert. Der Buddelschutz war nicht ausreichend und wenn ich da dann auch noch Futter anbiete ist es nur verständlich, dass die Vögel in der Erde wühlen. Mal abwarten, ich habe die Zwiebeln wieder an ihren Platz gesteckt, bedeckt und Holz drüber gelegt.

Ganz viel Freude machen mir die Winterlinge, die ich vom Wochenmarkt mitgebracht habe. Die fanden die ersten Mauerbienen auch ziemlich stark.

Direkt daneben blüht die Sternhyazinthe (Chionodoxa forbesii blauviolett). Die Winterlinge verblühen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, wann sich die Blausternchen (Scilla Siberica blau) zeigen und die Kegelblumen (Puschkinia Libanotica blau-weiß).

Das Foto musste einfach als Abschluss unter diesen Beitrag. Petra linst ganz neugierig um die Ecke, ob es denn etwas Spannendes zu entdecken gibt. Na klar: Ganz viele schöne bunte Fühlingsboten 😉

4 Replies to “Frühlingsboten auf dem Balkon”

  1. Liebe Atessa, ich habe gerade das Interview mit dir und Birgit gesehen … wunderbar und inspirierend!!! Danke!
    Ich will dir unbedingt was zu den Wildbienen erzählen … welche genau, weiss ich nicht …
    bei mir fing die Aufmerksamkeit für sie an, weil in den Bohrlöchern über den tiefsitzenden Schrauben meiner Ikea Bänke und Tische viel Platz zum Nisten war … sie sind ständig an mir und meinen Kindern auf engstem Raum rein und raus geflogen, sie waren nicht irritiert, dass wir uns so nah bewegt haben! :))) Der Jahre spätere Käufer hat die Möbel sehr gerne mit den Wildbienennistplätzen genommen …
    parallel dazu haben sie auch die Löcher in meinen gesammelten und auf Draht gefädelten Ostseesteinen (die Hühnergötter) mit Erde verschlossen und schlüpfen im Frühjahr dort aus :)))
    ausserdem wird auch seit Jahren ein wunderschönes Aststück zum Nisten benutzt, das liegt schon seit ca. 30 Jahren als geliebtes Fundstück auf meinen Balkonen meiner jeweiligen Wohnungen!
    Vor zwei Tagen habe ich das erste Mal beobachtet, dass zwei Wildbienen sehr lange in einer Nische der Blüte einer gefüllten Mininarzisse übereinander gesessen haben, während die obere in einem Rhythmus die untere beklopft und sich dabei immer vor und zurück bewegt hat, hast du eine Ahnung, was das bedeutet?! Davon habe ich leider kein Foto gemacht …
    Oh, das ist auch noch ganz toll: vielleicht schon vor 10 Jahren kamen immer Scharen an Kohl- und Blaumeisen auf unseren Balkon … die haben dann ihre Jungen mitgebracht!!! Die haben sogar von unseren Handflächen die Walnuskrümel gefressen … und immer im Wechsel über den Tag etwa 20 Minuten gefressen, sich von den Eltern füttern lassen und 20 Minuten auf der Querstange des Stuhls mit eingestecktem Köpfchen geschlafen … danach Federpflege für 20 Minuten, wo sie mit dem Schnabel die Hülsen der noch wachsenden Federn aufgetrennt haben, dann wieder Fressen und Schlafen usw. … und was ich auch noch nie gesehen hatte, war das Sonnenbad der kleinen Meisen … sie haben sich ganz flach an die Holzbretter auf dem Boden gedrückt, das Köpfchen zur Seite gelegt, die Flügel mit gespreizten Federn ausgebreitet und so die Sonne minutenlang an ihre Haut gelassen, sie war zu sehen … und das alles, obwohl ich und meine Kinder ständig in der Nähe waren …
    ehrlich kommen mir grad die Tränen, weil es so ein einmaliges und extrem besonderes Geschenk für mich ist, das erlebt zu haben!
    Viele liebe Grüße
    Sylvia

    1. Liebe Sylvia,
      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Na da ist ja einiges bei dir los, das ist toll! Die erste Wildbiene habe ich auch an einem Tisch so richtig beobachtet. Das war wohl vermutlich eine Mauerbiene (welche weiß ich nicht mehr, doch die sind dafür bekannt, dass sie ungewöhnliche Orte zum Nisten aufsuchen). Damals habe ich noch gedacht, was das denn für eine merkwürdige Biene sein muss, ob sie vielleicht eine Bienenstockverwirrung hat? Wie lustig, dass ihnen bei dir sogar die Hühnergötter trotz des Drahts in der Mitte gefallen, die sind ja nun auch nicht unbedingt allzu tief diese Löcher. Eigentlich bevorzugen löcherbewohnende Bienen auch abgeschlossene Röhren. Die Mauerbienen sind in jeder Hinsicht wohl experimentier- und anpassungsfreudig. Spannend!
      Die Beobachtung an deiner Narzisse dürfte wohl weniger eine entspannende Massage gewesen sein. Du hast vermutlich die Paarung eines Bienenpaares beobachten dürfen. Schau gern mal auf YouTube nach „Paarung Mauerbiene“ und sieh dir das unterhaltsame Video von Werner David dazu an.
      Du scheinst einen ganz wunderbaren Lebensraum geschaffen zu haben, für Mensch und Tier – weiter so.
      Diese Erlebnisse und Beobachtungen sind so wertvoll =)
      Herzliche Grüße
      Atessa

  2. Liebe Atessa, das mit den Töpfchen, die man dann wieder rausnehmen kann, ist eine super Idee! Das ist für den Balkon noch einmal platzsparender als ein großes Pflanzgefäß irgendwo in die Ecke zu stellen und zu warten bis die Blätter einziehen. Danke 💚 auch fürs Verlinken des Artikels über die mobilen Blumenzwiebeln. 🌷🌷🌷Deine Petra sieht sehr lieb aus! Herzliche Grüße vom Wilden Meter und ich freue mich schon auf dein Interview im Bio-Balkon-Kongress, Katharina

    1. Danke für deinen lieben Kommentar 💚 Was zusätzlich praktisch ist: Wenn ich die Töpfchen heraus nehme habe ich direkt ein Loch für die nächste Pflanze start bereit. Und wenn ich dann jetzt auch noch daran denke, nur Einjähriges hineinzusetzen (vorgezogene Ringel- oder Sonnenblumen oder so etwas), dann kann so auch ein einfacher halbjährlicher Wechsel stattfinden. Oh ja, am Mittwoch ist es soweit und ich bin schon fürchterlich aufgeregt, was ich denn da erzählt habe 😅

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